Kompostierbar versus recycelbar: der Unterschied im FM
Bei der Suche nach nachhaltigen Alternativen zu Einwegkunststoffen tauchen Begriffe wie kompostierbar, biologisch abbaubar und recycelbar auf. Diese Begriffe werden haeufig verwechselt, bedeuten aber grundlegend unterschiedliche Dinge. Fuer Facility Manager ist die Unterscheidung entscheidend bei der Wahl von Verpackungen und bei der Gestaltung der Abfallstreoeme.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland wird industriell kompostierbares Material (zertifiziert nach DIN EN 13432, erkennbar am Seedling-Logo) nur dann tatsaechlich kompostiert, wenn es in der Biotonne landet und von einem industriellen Kompostierwerk angenommen wird. Die kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebe sind gespalten: Einige akzeptieren kompostierbare Verpackungen in der Biotonne, andere nicht. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt ausdruecklich vor dem Einsatz kompostierbarer Verpackungen, wenn keine geeignete Verwertungsinfrastruktur vorhanden ist. Die Bioabfallverordnung (BioAbfV) und das Verpackungsgesetz (VerpackG) setzen weitere relevante Rahmenbedingungen. Bei Unklarheiten ist eine Rueckfrage beim kommunalen Entsorgungsbetrieb vor der Produktbeschaffung unbedingt zu empfehlen.
Schlüsselbegriffe
- Industriell kompostierbar
- Material, das innerhalb von 12 Wochen bei 55-60 Grad Celsius in einer industriellen Kompostieranlage abbaut, gemaess DIN EN 13432.
- Recycelbar
- Material, das mechanisch oder chemisch zu einem neuen Rohstoff fuer gleiche oder andere Anwendungen verarbeitet werden kann.
- Biologisch abbaubar
- Material, das von Mikroorganismen abgebaut wird; sagt nichts ueber die Geschwindigkeit oder die dafuer noetige Bedingungen aus.
- Seedling-Logo
- Guetezeichen, das bestaetigt, dass ein Produkt die Anforderungen der DIN EN 13432 fuer industrielle Kompostierbarkeit erfuellt.
- Kontamination
- Verunreinigung eines Abfallstroms durch Materialien, die nicht hineingehoeren; kompostierbarer Kunststoff im Recyclingstrom ist ein haeufiges Problem.
So funktioniert es
Recycelbare Materialien (wie PET, HDPE, Aluminium, Glas, Papier) werden mechanisch zu neuen Rohstoffen verarbeitet. Das Material behaelt seinen Wert und kann mehrfach wiederverwendet werden. Recycling funktioniert am besten, wenn die Streoeme sortenrein sind: Je weniger Verunreinigung, desto hoeher die Qualitaet des Rezyklats.
Kompostierbares Material zersetzt sich zu Wasser, CO2 und Kompost. Das klingt ideal, birgt aber wichtige Einschraenkungen. Erstens: Der entstehende Kompost ist von geringem Wert verglichen mit recycelten Rohstoffen. Kompostierung steht daher auf der Abfallhierarchie unterhalb des Recyclings. Zweitens: Kompostierbares Material muss in den richtigen Strom gelangen. Im Restabfall wird es verbrannt. Im Kunststoffstrom verursacht es Verunreinigungen. Nur in der Biotonne oder bei einem industriellen Kompostierer wird es tatsaechlich kompostiert.
Fuer FM-Fachleute gilt: Waehlen Sie recycelbare Materialien, wo immer moeglich, und kompostierbare nur, wenn das Material tatsaechlich in den Kompostierstrom gelangt. Das erfordert klare Hinweise an den Abfallbehaeltern und Abstimmung mit Ihrem Entsorger. Wenn Ihr kommunaler Entsorger kompostierbare Verpackungen nicht in der Biotonne akzeptiert, macht deren Beschaffung wenig Sinn.
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