Wie führt man ein Ergonomie-Audit durch?
Ein Ergonomie-Audit bewertet Arbeitsplätze systematisch auf ergonomische Risiken, Ausstattungsqualität und Nutzerverhalten. Für FM ist es ein Instrument, um Schwachstellen zu identifizieren, Maßnahmen zu priorisieren und die Wirksamkeit von Verbesserungen zu belegen.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland bilden ArbSchG, ArbStättV und die ASR A6.0 den Rechtsrahmen für Ergonomie-Audits. Die DGUV stellt Audit-Checklisten und Leitlinien bereit. Branchenspezifische Auditverfahren existieren für Büroarbeit (DGUV Information 215-410), Gesundheitswesen und Produktion. Die BAuA veröffentlicht evidenzbasierte Werkzeuge für Gefährdungsbeurteilungen. Zertifizierte Auditoren können über das VDSI (Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit) oder die DGUV akkreditiert werden.
Schlüsselbegriffe
- Ergonomie-Audit
- Systematische Bewertung von Arbeitsplätzen hinsichtlich ergonomischer Risiken, Ausstattungsqualität und Nutzerverhalten.
- Audit-Checkliste
- Strukturierter Fragenkatalog, mit dem der Auditor jeden Arbeitsplatz nach festen Kriterien beurteilt.
- Bewertungsmatrix
- Schema, das je Arbeitsplatzkomponente eine Bewertung vergibt (erfüllt/teilweise erfüllt/nicht erfüllt) zur Priorisierung von Maßnahmen.
- Fotodokumentation
- Fotos von Arbeitsplätzen während des Audits – als Beweismittel und Kommunikationswerkzeug im Auditbericht.
- Maßnahmenplan
- Priorisierte Übersicht der Verbesserungsmaßnahmen mit Fristen, Verantwortlichen und Budget.
Schritt für Schritt vorgehen
Schritt 1 – Vorbereitung. Stellen Sie eine Audit-Checkliste auf Basis von ArbSchG, ASR A6.0, DIN EN ISO 9241 und DGUV-Leitlinien zusammen. Prüfen Sie je Arbeitsplatz: Stuhl (Verstellmöglichkeiten und Zustand), Schreibtisch (Höhe, Platzverhältnisse), Bildschirm (Position, Abstand), Beleuchtung (Lux, Reflexionen) und Arbeitsmittel (Maus, Tastatur, Headset). Planen Sie das Audit außerhalb der Stoßzeiten, um Arbeitsplätze ohne Beeinträchtigung der Mitarbeitenden beurteilen zu können.
Schritt 2 – Durchführung. Gehen Sie alle Arbeitsplätze systematisch durch. Beurteilen Sie jeden Platz anhand der Checklistenkriterien und vergeben Sie Punkte auf einer Dreipunkteskala. Fotografieren Sie auffällige Situationen – sowohl positive Beispiele als auch Verbesserungspotenziale. Achten Sie nicht nur auf das Mobiliar, sondern auch auf das Nutzerverhalten: Sind Stühle korrekt eingestellt? Werden Monitorarme genutzt?
Schritt 3 – Analyse und Berichterstattung. Addieren Sie die Punkte je Kriterium und Bereich. Identifizieren Sie Muster: Sind auf einer gesamten Etage die Bildschirme zu tief, liegt ein Einrichtungsproblem vor; tritt dies verstreut auf, ist es ein Schulungsproblem. Erstellen Sie einen kurzen Bericht mit Zusammenfassung, Hauptbefunden und Maßnahmenplan. Nutzen Sie Fotos zur Veranschaulichung. Planen Sie nach sechs Monaten ein Nachaudit, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen.
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