Energiebewusstes Verhalten: Kampagne fuer Mitarbeitende aufsetzen
Technische Massnahmen allein reichen nicht aus. Das Verhalten der Gebaeudenutzer bestimmt schaetzungsweise 20 bis 30 Prozent des Energieverbrauchs. Eine wirksame Verhaltenskampagne kostet relativ wenig, hat keine Amortisationszeit und verstaerkt die Wirkung technischer Investitionen. Dennoch wird Verhaltensaenderung im FM oft unterschaetzt.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland bieten das BMWK und die dena Kampagnenmaterialien und Leitfaeden fuer energiebewusstes Verhalten am Arbeitsplatz. Das Fraunhofer-Institut fuer Bauphysik (IBP) und das ifeu-Institut liefern wissenschaftliche Grundlagen zu Nutzungsverhalten und Energieverbrauch in Gebaeuden. Die Arbeitsstaettenverordnung (ArbStaettV) setzt Rahmenbedingungen fuer Temperatur und Beleuchtung, die bei Verhaltenskampagnen zu beruecksichtigen sind. GEFMA und IFMA Deutschland bieten Wissensaustausch zu Verhaltensinterventionen in Gebaeuden. Verhaltensoekonomische Ansaetze, etwa Nudging-Konzepte, werden zunehmend im FM-Kontext eingesetzt.
Schlüsselbegriffe
- Nudging
- Subtile Steuerung des Verhaltens durch Anpassung der Entscheidungsumgebung, ohne Optionen zu verbieten oder finanzielle Anreize einzusetzen.
- Feedback-Schleife
- Rueckkopplung von Verbrauchsdaten an die Nutzer, damit diese den Effekt ihres Verhaltens sehen und nachsteuern koennen.
- Botschafternetzwerk
- Gruppe von Mitarbeitenden je Abteilung, die als Ansprechpartner und Motivatoren fuer energiebewusstes Verhalten fungieren.
- Ausgangssituation (Baseline)
- Das durchschnittliche Verhaltensmuster vor der Kampagne als Referenz, um die Wirkung von Interventionen zu messen.
- Gamification
- Einsatz von Spielelementen (Punkte, Ranglisten, Challenges) zur Motivation von Mitarbeitenden zu energiesparendem Verhalten.
Schritt-fuer-Schritt-Vorgehen
Beginnen Sie mit einer Nullmessung des verhaltensbedingten Verbrauchs. Messen Sie den Nachtverbrauch (alles, was lauft, wenn das Gebaeude leer ist), die durchschnittliche Thermostateinstellung und den Einsatz privater Geraete. Das gibt Ihnen eine Ausgangsbasis und hilft bei der Schwerpunktsetzung der Kampagne.
Waehlen Sie anschliessend drei bis fuenf konkrete Verhaltensaenderungen, die Sie erreichen wollen: Computer beim Verlassen ausschalten, Licht in leeren Raeumen loeschen, Fenster bei laufender Heizung schliessen, Besprechungsraeume nur reservieren, wenn sie tatsaechlich genutzt werden. Machen Sie diese Handlungen sichtbar mit Aufklebern an Lichtschaltern, Bildschirmmeldungen und Plakaten. Bauen Sie ein Botschafternetzwerk auf: eine motivierte Kollegin oder ein motivierter Kollege je Abteilung, der das Thema lebendig haelt.
Machen Sie Ergebnisse sichtbar. Haengen Sie ein Dashboard im Foyer auf, das den woechentlichen Verbrauch zeigt und Abteilungen oder Etagen vergleicht. Gamification wirkt: Organisieren Sie eine monatliche Challenge mit einem symbolischen Preis fuer die sparsamste Abteilung. Evaluieren Sie nach drei Monaten den Effekt durch Vergleich mit der Ausgangsbasis. Erfolgreiche Kampagnen erzielen 5 bis 15 Prozent Einsparung. Das Wichtigste ist Kontinuitaet: Wiederholen Sie die Botschaft, feiern Sie Erfolge und integrieren Sie energiebewusstes Verhalten in das Onboarding neuer Mitarbeitender.
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