Concept

FM-Outsourcing versus Insourcing: der aktuelle Trend

Nach Jahrzehnten zunehmendem FM-Outsourcing entsteht eine Gegenbewegung. Immer mehr Organisationen holen Dienstleistungen zurueck in die eigene Regie oder waehlen bewusst ein hybrides Modell. Arbeitskraeftemangel und die Erkenntnis, dass Facility-Mitarbeitende die Unternehmenskultur direkt beeinflussen, haben die Abwaegung veraendert. Der Trend ist kein eindeutiges Signal in Richtung Insourcing, sondern eine Neukalibrierung.

Deutsche Rahmenbedingungen

In Deutschland liegt die Outsourcingquote bei Reinigung bei rund 80%, bei Sicherheit bei ca. 70% und bei Catering bei ca. 60%. Einige Kommunen und Hochschulen haben Reinigungspersonal wieder in eigene Regie uebernommen. Der Diskurs wird durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und den Branchendialog Gebaeudereinigung mitgepraegt. Der Tarifvertrag im Gebaeudereinigungshandwerk (TV Gebaeudereinigung) gilt als Benchmark fuer faire Bezahlung auch in Inhouse-Loesungen. Die Diskussion wird durch Qualitaets- und Kulturargumente zunehmend ergaenzt.

Schlüsselbegriffe

Outsourcing
Das strukturelle Auslagern von Facility-Dienstleistungen an externe Anbieter. Das dominante Modell in Deutschland seit den 1990er Jahren.
Insourcing
Das Zurueckholen ehemals ausgelagerter Dienstleistungen in die eigene Organisation. Erfordert den Aufbau eigener Kapazitaet und Managementkapazitaet.
Hybrides Modell
Eine Kombination aus hausinterner und ausgelagerter Erbringung, wobei die Wahl je Dienstleistung auf Basis strategischer Relevanz und Marktverfuegbarkeit getroffen wird.
Transaktionskosten
Die Kosten der Steuerung der Outsourcing-Beziehung. Bei komplexen oder strategischen Leistungen koennen diese die Einsparungen des Outsourcings aufwiegen.
Verantwortliches Auftraggeben
Die Verantwortung von Auftraggebern sicherzustellen, dass ausgelagerte Dienstleistungen unter anstaendigen Arbeitsbedingungen erbracht werden.

So funktioniert es

Die Outsourcing-Welle im FM begann in den 1990er Jahren mit dem Argument, Organisationen sollten sich auf ihre Kernaktivitaeten konzentrieren. Facility-Dienstleistungen galten als Commodity, die von Spezialisten guenstiger und besser erbracht werden konnten. Dieses Argument ist nicht verschwunden, aber es gibt Gegenkraefte.

Der Arbeitsmarktmangel macht es fuer externe Dienstleister schwierig, ausreichend Personal zu stellen. Die Qualitaet sinkt und die Fluktuation steigt. Auftraggeber merken, dass die Reinigungskraft, die jede Woche wechselt, das Gebaeude und die Nutzer nicht kennt. Gleichzeitig steigen die Tarifsaetze, was das Kostenargument fuer Outsourcing schwaeche.

Das kulturelle Argument gewinnt an Gewicht. Organisationen, die ihre Facility-Mitarbeitenden als Teil des Teams betrachten, merken, dass eigene Reinigungskraefte, Sicherheitskraefte und Cateringmitarbeitende engagierter sind. Sie fuehlen sich als Teil der Organisation, melden Probleme proaktiv und tragen zur Arbeitserfahrung bei. Die Abwaegung verschiebt sich von rein finanziell zu strategisch: Welche Dienstleistungen wollen wir als Organisation selbst steuern?

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