Servitization in der FM-Dienstleistung
Servitization bezeichnet die Verschiebung vom Verkauf von Produkten und Stunden hin zur Lieferung von Ergebnissen und Leistung. Im FM bedeutet das: nicht mehr für Reinigungsstunden bezahlen, sondern für ein sauberes Gebäude — nicht für Leuchtkörper, sondern für Beleuchtung — nicht für Wartungstechniker, sondern für Verfügbarkeit. Das Konzept verändert Vertragsformen, Preisstrukturen und das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Dienstleister.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland setzen Unternehmen wie Siemens, Philips und Bosch Servitization-Modelle im Gebäudebereich ein. Das Fraunhofer-Institut IAO forscht zu ergebnisorientierten FM-Modellen. Der GEFMA (Deutscher Verband für Facility Management) thematisiert Leistungsverträge in seinen Richtlinien, insbesondere GEFMA 700 (FM-Leistungen und -Prozesse). Die DIN EN 15221-Normenreihe bietet Rahmenwerke für FM-Dienstleistungsvereinbarungen, die ergebnisorientierte Vergütungsmodelle unterstützen. Zunehmend setzen auch öffentliche Auftraggeber auf Funktionalausschreibungen nach VOB/A und VOL/A, die Servitization-Strukturen ermöglichen.
Schlüsselbegriffe
- Servitization
- Die Transformation eines produkt- oder stundenorientierten Angebots hin zu einem dienstleistungsorientierten Angebot, bei dem der Kunde für ein Ergebnis oder eine Verfügbarkeit bezahlt.
- As-a-Service
- Das Liefermodell, bei dem der Kunde eine Funktion bezieht, ohne das Produkt zu besitzen: Lighting as a Service, Cleaning as a Service, Cooling as a Service.
- Ergebnisbasierte Vergütung
- Preisgestaltung auf Basis des gelieferten Ergebnisses anstelle der eingesetzten Mittel. Der Dienstleister trägt das Effizienzrisiko.
- Kreislaufmodell
- Servitization fördert Kreislaufwirtschaft: Wenn der Lieferant Eigentümer des Produkts bleibt, liegt es in seinem Interesse, Produkte langlebig zu gestalten und Komponenten wiederzuverwenden.
- Leistungsvertrag
- Ein Vertrag, bei dem die Leistung (Verfügbarkeit, Qualität, Zufriedenheit) im Mittelpunkt steht und die Methode zur Zielerreichung dem Dienstleister überlassen wird.
So funktioniert es
Servitization kehrt das traditionelle Verhältnis um. Im alten Modell kauft der Auftraggeber ein Produkt (Leuchtkörper) und eine Dienstleistung (Installation und Wartung). Bei Servitization bezieht der Auftraggeber Beleuchtung: das richtige Lichtniveau, zur richtigen Zeit, für einen festen Monatspreis. Der Lieferant bleibt Eigentümer der Leuchtkörper und ist für Leistung, Wartung und Austausch verantwortlich.
Die Vorteile sind wechselseitig. Der Auftraggeber hat planbare Kosten, keine Wartungsverantwortung und stets aktuelle Technologie. Der Lieferant hat einen langfristigen Einkommensstrom und den Anreiz, energieeffiziente, wartungsarme Produkte zu wählen — denn Energie- und Wartungskosten belasten seine Marge.
Im FM gewinnt Servitization bei Beleuchtung, Klimaanlagen und Reinigung an Bedeutung. Die Verbreitung ist noch begrenzt, teils aufgrund der Komplexität von Leistungsverträgen (wie definiert und misst man 'sauber'?) und teils aufgrund einer traditionellen Einkaufskultur, die auf Stundensätzen und Spezifikationen basiert. FM-Fachleute, die diesen Wandel vollziehen möchten, müssen lernen, auf Ergebnisse statt auf Input zu steuern — und das erfordert Vertrauen in den Dienstleister sowie zuverlässige Messmethoden.
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