Hochdruckreinigung in der Industrie
Hochdruckwasserstrahlen ist die bewährteste Methode der industriellen Reinigung. Mit Wasserdrücken von einigen hundert bis mehreren tausend bar werden hartnäckige Ablagerungen aus Rohrleitungen, Wärmetauschern, Behältern und Oberflächen entfernt. Die Technik ist effektiv, relativ umweltfreundlich und vielseitig einsetzbar, stellt aber hohe Anforderungen an Sicherheit und Fachkunde.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland müssen Unternehmen, die Hochdrucktechniken einsetzen, die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und die TRBS 2153 (Technische Regeln für Betriebssicherheit – Vermeidung von Zündgefahren) einhalten. Der Bundesverband der Arbeitskreise Korrosionsschutz (ZKS) und der BIV haben Richtlinien für Hochdruckreinigung veröffentlicht. Die DGUV Regel 100-500 beschreibt Sicherheitsanforderungen für Wasserstrahlarbeiten. Bei Offshore-Anwendungen und Petrochemie kommen die Anforderungen der DGUV Vorschrift 38 (Bauarbeiten) hinzu.
Schlüsselbegriffe
- Druckbereich
- Einteilung in Hochdruck (100–500 bar), Ultra-Hochdruck (500–1.500 bar) und Hochdruck-Wasserstrahlschneiden (1.500–3.000 bar). Der erforderliche Bereich hängt von Art und Härte der Verunreinigung ab.
- Lanze
- Das handbediente oder mechanisierte Werkzeug, mit dem der Wasserstrahl gerichtet wird. In verschiedenen Konfigurationen für Flächen, Rohrinnenseiten und komplexe Geometrien erhältlich.
- Rückstoß
- Die Reaktionskraft, die der Wasserstrahl auf den Bediener ausübt. Bei Drücken über 500 bar ist diese so groß, dass mechanische Bedienung oder eine Rückschlagsicherung vorgeschrieben ist.
- Totmann-Schalter
- Sicherheitseinrichtung, die den Wasserstrahl sofort stoppt, wenn der Bediener den Griff loslässt. Auf allen Hochdruckgeräten vorgeschrieben gemäß BetrSichV.
- Sicherheitszone
- Der abgesperrte Bereich um den Arbeitsplatz, in dem sich während des Hochdruckbetriebs niemand aufhalten darf. Die Größe hängt vom Arbeitsdruck und Lanzentyp ab.
Anwendung in der Praxis
Hochdruckwasserstrahlen wird dort eingesetzt, wo konventionelle Reinigungsmethoden nicht ausreichen. Typische Anwendungen sind die Entfernung von Kalkablagerungen in Wärmetauschern, Polymerbeschichtungen in Reaktorbehältern, Rost und Farbe an Schiffsrümpfen sowie Produktrückständen in Rohrleitungssystemen. Die Wahl des richtigen Druckbereichs ist entscheidend für Wirksamkeit und Sicherheit.
Bei Drücken bis 500 bar ist Handbedienung üblich, sofern der Bediener angemessen ausgebildet ist und das Gerät mit einem Totmann-Schalter ausgerüstet ist. Über 500 bar schreiben die TRBS 2153 mechanische Bedienung vor aufgrund des Rückstoßes. Ultra-Hochdruck (bis 1.500 bar) wird für Betoninstandsetzung, das Entfernen von Beschichtungen und das Schneiden von Materialien eingesetzt. Hochdruck-Wasserstrahlschneiden (bis 3.000 bar) ist spezialisierten Anwendungen wie dem Reinschneiden von Stahl vorbehalten.
Bei der Vergabe von Hochdruckreinigungsaufträgen achten Sie auf die SCC-Zertifizierung des Unternehmens, die spezifische Qualifikation des Personals für den erforderlichen Druckbereich und die Verfügbarkeit angemessener Notfallverfahren. Fragen Sie nach dem Maschinenpark: Ein vielseitig einsatzbereites Unternehmen verfügt über verschiedene Pumpen, Lanzen und Düsen für unterschiedliche Anwendungen. Berücksichtigen Sie auch den Umweltaspekt: Das anfallende Wasser muss entsprechend der Einleitgenehmigung aufgefangen und entsorgt werden.
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