Was ist Cleaning-in-Place (CIP)?
Cleaning-in-Place (CIP) ist ein automatisiertes Reinigungssystem, bei dem Prozessanlagen ohne Demontage gereinigt werden. Das System pumpt Reinigungsflüssigkeiten durch die Anlage über fest installierte Leitungen und Sprühköpfe. CIP ist Standard in der Molkerei-, Getränke-, Brau- und pharmazeutischen Industrie und ein wichtiger FM-Bereich aufgrund des hohen Automatisierungsgrads.
Deutsche Rahmenbedingungen
In der deutschen Molkerei- und Brauindustrie ist CIP seit Jahrzehnten Standard, mitbedingt durch die strengen Anforderungen der DIN 11865 (Rohrleitungen für die Lebensmittelindustrie) und der EHEDG-Richtlinien für hygienisches Design. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) und die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) haben Leitlinien für CIP-Validierung entwickelt. Die VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) publiziert Empfehlungen für CIP-fähiges Anlagendesign. In der Pharmaindustrie gelten zusätzlich die GMP-Leitlinien (Good Manufacturing Practice) der EMA und des BfArM.
Schlüsselbegriffe
- CIP-Kreislauf
- Das geschlossene Rohrleitungssystem, durch das Reinigungsflüssigkeit zirkuliert. Umfasst Tanks für Lauge, Säure und Spülwasser, Pumpen, Wärmetauscher und Sprühköpfe.
- Sprühkugel
- Fest montierter Sprühkopf in Tanks und Behältern, der eine vollständige Benetzung der Innenoberfläche mit Reinigungsflüssigkeit gewährleistet. In statischen und rotierenden Ausführungen erhältlich.
- Single-Use-CIP
- System, bei dem die Reinigungsflüssigkeit nach der Verwendung abgelassen wird. Teurer im Verbrauch, verhindert aber Rekontamination aus der Rücklauflösung.
- Recovery-CIP
- System, bei dem Reinigungsflüssigkeiten durch Anpassung von Konzentration und Temperatur wiederverwendet werden. Wirtschaftlicher, erfordert aber Überwachung der Flüssigkeitsqualität.
- CIP-Validierung
- Nachweis, dass das CIP-Programm die Anlage nachweislich sauber macht. Umfasst mikrobiologische Probenahme, Spülwasseranalyse und visuelle Inspektion an demontierbaren Punkten.
So funktioniert es
Ein CIP-Zyklus besteht typischerweise aus fünf Schritten: Vorspülen mit Wasser zur Entfernung grober Produktrückstände, alkalische Reinigung (Lauge) zur Auflösung von Proteinen und Fetten, Zwischenspülen, saure Reinigung zur Entfernung mineralischer Ablagerungen und Nachspülen mit sauberem Wasser. In der Molkerei- und Pharmaindustrie wird häufig ein Desinfektionsschritt hinzugefügt. Jeder Schritt hat vorgeschriebene Parameter: Temperatur, Konzentration, Einwirkzeit und Strömungsgeschwindigkeit.
Die Automatisierung macht CIP zuverlässig und reproduzierbar. Die SPS-Steuerung steuert Ventile, Pumpen und Dosieranlagen nach programmierten Rezepten. Sensoren messen Temperatur, Leitfähigkeit (als Maß für Konzentration) und Durchfluss. Das System protokolliert alle Prozessparameter, was für Rückverfolgbarkeit und HACCP-Verifizierung wesentlich ist.
Für FM-Fachleute liegen die Schwerpunkte bei Wartung und Validierung. Die Sprühköpfe müssen regelmäßig auf Verstopfung und Verschleiß inspiziert werden – ein nicht vollständig benetzender Sprühkopf ist ein Lebensmittelsicherheitsrisiko. Die Messgeräte (Temperatur, Leitfähigkeit) erfordern Kalibrierung. Und das CIP-Programm selbst muss nach jeder Änderung im Produktionsprozess, der Anlage oder den Reinigungsmitteln neu validiert werden.
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