Edge Computing in Gebäudesystemen
Edge Computing verarbeitet Daten lokal im Gebäude, anstatt alles in die Cloud zu senden. Dies senkt die Latenz (schnellere Reaktion), schützt die Privatsphäre (Daten verlassen das Gebäude nicht) und erhöht die Zuverlässigkeit (das Gebäude funktioniert auch bei Internetausfall). Für FM-Verantwortliche ist es eine Architekturentscheidung mit praktischen Konsequenzen.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland bevorzugen Gesundheitseinrichtungen, Behörden und Unternehmen mit hohen Datenschutzanforderungen Edge-Computing-Lösungen aus DSGVO-Gründen. Anbieter wie Siemens (Edge Device SiEdge), Bosch und Beckhoff bieten lokale Verarbeitungslösungen an, die nur aggregierte Daten in die Cloud übertragen. Das BSI gibt Hinweise zur Absicherung von Edge Devices im OT-Umfeld (BSI-Grundschutz ICS-Bausteine). Das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und die DSGVO regulieren, welche Daten das Gebäude verlassen dürfen.
Schlüsselbegriffe
- Edge Computing
- Datenverarbeitung am Rand des Netzwerks, nah an der Quelle. Im Gebäude: lokale Verarbeitung im Technikraum statt in einem externen Rechenzentrum.
- Fog Computing
- Zwischenform, bei der Daten auf mehreren Ebenen verarbeitet werden: teils lokal (Edge), teils regional (Fog), teils zentral (Cloud). Bietet Flexibilität in der Verarbeitung.
- Latenz
- Verzögerung zwischen dem Messen eines Werts und der Ausführung einer Aktion. Bei lokaler Verarbeitung Millisekunden, bei Cloud-Verarbeitung Hunderte von Millisekunden bis Sekunden.
- Edge Device
- Lokale Hardware zur Datenverarbeitung: ein Gateway, Mini-Server oder spezialisierter Controller. Steht physisch im Gebäude.
- Datensouveränität
- Prinzip, dass die Organisation die Kontrolle über ihre Daten behält: wo sie gespeichert werden, wer Zugang hat und ob sie das Gebäude verlassen.
Funktionsweise
In einer klassischen Cloud-Architektur senden alle Sensoren ihre Daten an eine externe Plattform. Dies eignet sich gut für Analyse und Reporting, weniger für Echtzeitregelung (zu langsam) und sensible Daten (verlassen das Gebäude). Edge Computing platziert die Rechenkapazität im Gebäude selbst.
Ein Edge Device empfängt Sensordaten, führt lokale Analysen durch (ist der Besprechungsraum belegt? steigt die Temperatur zu schnell?) und löst direkt Aktionen aus (Lüftung erhöhen, Beleuchtung dimmen). Nur aggregierte Daten (Stundenmittelwerte, Tagesberichte) werden zur Langzeitanalyse und zum Benchmarking in die Cloud übertragen.
Für FM-Verantwortliche hat Edge Computing drei Vorteile. Erstens Zuverlässigkeit: Das Gebäude funktioniert auch bei Internetausfall. Zweitens Datenschutz: Belegungsdaten und Kamerabilder werden lokal verarbeitet und verlassen das Gebäude nicht als Rohdaten. Drittens Geschwindigkeit: Regelentscheidungen werden in Millisekunden getroffen. Der Nachteil ist zusätzliche Hardware, die gewartet werden muss – nehmen Sie Edge Devices in Ihre Instandhaltungsplanung und Ihr Sicherheitskonzept auf.
Verwandte Themen
Verfolgen Sie die neuesten Nachrichten zu diesem Thema über Slimme gebouwen auf FM Radar →