MQTT und IoT in der Gebäudeautomation
MQTT (Message Queuing Telemetry Transport) ist ein leichtgewichtiges Kommunikationsprotokoll, das vielfach für IoT-Sensoren in Gebäuden eingesetzt wird. Es ergänzt BACnet: Während BACnet die traditionellen Gebäudeanlagen verbindet, koppelt MQTT die neuere Generation drahtloser Sensoren und Aktoren. FM-Verantwortliche sollten beide Welten verstehen.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland nutzen IoT-Plattformen wie Telekom IoT, Bosch IoT Suite und diverse Start-ups im Smart-Building-Umfeld MQTT. Das Protokoll ist offen und lizenzfrei (OASIS-Standard). Die Integration zwischen MQTT-basierten IoT-Sensoren und bestehenden BMS-Systemen ist eine gefragte Leistung bei Systemintegratoren. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt Hinweise zur sicheren Konfiguration von MQTT-Brokern und IoT-Infrastrukturen.
Schlüsselbegriffe
- MQTT
- Leichtgewichtiges Publish-Subscribe-Protokoll für IoT. Für begrenzte Bandbreite und unzuverlässige Netzwerke konzipiert. Nutzt einen zentralen Broker zur Nachrichtenverteilung.
- Broker
- Zentraler Server, der MQTT-Nachrichten von Publishers empfängt und an Subscriber weiterleitet. Beispiele: Mosquitto, HiveMQ, cloudbasierte Broker.
- Topic
- Hierarchisch organisierte Adresse für MQTT-Nachrichten. Beispiel: gebaeude/etage3/besprechung-b/temperatur. Subscriber abonnieren relevante Topics.
- Publish-Subscribe
- Kommunikationsmodell, bei dem Sender (Publisher) Nachrichten auf einem Topic veröffentlichen und Empfänger (Subscriber) relevante Topics abonnieren. Entkoppelt Sender und Empfänger.
- Quality of Service (QoS)
- MQTT bietet drei QoS-Stufen: 0 (höchstens einmal), 1 (mindestens einmal), 2 (genau einmal). Höherer QoS bietet mehr Zuverlässigkeit, erzeugt aber mehr Netzwerkverkehr.
Anwendung in der Praxis
MQTT wird in Gebäuden für die neuere Generation von Sensoren eingesetzt: drahtlose Temperatur- und CO₂-Messgeräte, Belegungssensoren, Energiezähler und Leckagedetektoren. Diese Sensoren kommunizieren über LoRaWAN oder WLAN zu einem Gateway, das die Daten per MQTT an eine zentrale Plattform überträgt.
Der Unterschied zu BACnet ist grundlegend. BACnet ist für Gebäudeanlagen (HLK, Beleuchtung) mit Echtzeitregelung ausgelegt: Das BMS steuert direkt ein Ventil. MQTT ist für Monitoring und Datenanalyse konzipiert: Ein Sensor sendet periodisch einen Messwert, die Plattform analysiert und löst bei Bedarf eine Aktion aus. In einem intelligenten Gebäude koexistieren beide Protokolle.
Für FM-Verantwortliche ist die Integration der kritische Punkt. Die MQTT-Sensordaten müssen mit den BACnet-Daten in einem gemeinsamen Dashboard oder einer Datenplattform zusammengeführt werden. Dies erfordert eine Integrationsschicht (Middleware oder API-Gateway), die Daten aus beiden Quellen normalisiert. Bei der Spezifikation einer Smart-Building-Plattform ist es entscheidend zu fordern, dass die Plattform sowohl BACnet als auch MQTT unterstützt – andernfalls entstehen zwei getrennte Informationssilos.
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