Regelgeving

DIN EN 15232: Gebäudeautomation und Energieeffizienz

Die DIN EN 15232 ist die europäische Norm, die den Einfluss der Gebäudeautomation auf die Energieeffizienz klassifiziert. Die Norm definiert vier Klassen (A bis D) und beschreibt, welche Automatisierungsfunktionen zu jeder Klasse gehören. Für FM-Professionals ist sie ein objektives Instrument, um den Energiebeitrag von Sensoren und Regelungstechnik nachzuweisen – und Investitionen in Gebäudeautomation zu begründen.

Deutsche Rahmenbedingungen

In Deutschland wird die DIN EN 15232 bei der Begründung energiesparender Maßnahmen nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) eingesetzt. Das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) und die KfW verweisen auf die Norm bei der Förderung von Gebäudeautomationssystemen. Bei der Vergabe von DGNB-Zertifikaten und Energieausweisen wird der Automatisierungsgrad berücksichtigt. Die AMEV (Arbeitsgemeinschaft Mechanische und Elektrische Versorgung – Bund, Länder, Kommunen) veröffentlicht Empfehlungen zur Gebäudeautomation in öffentlichen Gebäuden, die sich auf die Klasseneinteilung der Norm stützen. VDI 3814 (Gebäudeautomation) ergänzt die europäische Norm mit deutschen Planungsrichtlinien.

Schlüsselbegriffe

Klasse A
Höchste Automatisierungsklasse: fortschrittliche Regelung mit sensorgesteuerter Optimierung, Energiemonitoring und proaktiver Steuerung. Maximale Energieeinsparung.
Klasse B
Erweiterte Automation: zeit- und sensorgesteuerte Regelung, zentrale Überwachung und aufeinander abgestimmte Systeme.
Klasse C
Standardautomation: Basisregelung mit Zeitschaltprogrammen und Thermostatregelung. Referenzniveau.
Klasse D
Keine Automation: manuelle Bedienung von Heizung, Kühlung und Beleuchtung. Am wenigsten energieeffizient und bei Sanierungen nicht mehr zulässig.
BAC-Funktionen
Building Automation and Control-Funktionen. Die Norm listet pro Gebäudesystem (Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung) auf, welche Funktionen zu welcher Klasse gehören.

Was das Gesetz verlangt

Die EPBD (Gebäudeenergierichtlinie) verpflichtet EU-Mitgliedstaaten, Gebäudeautomation zu fördern. Die überarbeitete EPBD schreibt vor, dass Gebäude mit einer Heizungs- oder Kühlleistung über 290 kW über ein Gebäudeautomations- und Steuerungssystem mindestens der Klasse B verfügen müssen. In Deutschland wird dies über das GEG und die entsprechenden Ausführungsbestimmungen umgesetzt.

Die Norm beschreibt pro Gebäudesystem, welche Funktionen zu welcher Klasse gehören. Für die Lüftung bedeutet Klasse A beispielsweise: CO₂-gesteuerte Lüftung mit Belegungserkennung und optimierter Wärmerückgewinnung. Klasse C ist ein festes Zeitschema; Klasse D ist manuelle Bedienung. Durch Bestimmung der aktuellen Automatisierungsklasse eines Gebäudes und Erarbeitung der Schritte zu Klasse B oder A entsteht ein konkreter Verbesserungsplan.

Für FM-Professionals ist die Norm ein Instrument, um Investitionen in Sensoren und Regelungstechnik zu begründen. Die Einsparfaktoren pro Klassenwechsel sind durch die Norm quantifiziert: Ein Wechsel von Klasse C nach B spart typischerweise 10–20 % Energieverbrauch, abhängig vom Gebäudetyp. Dies macht den Business Case für Gebäudeautomation objektiv und vergleichbar, unabhängig von Herstelleraussagen.

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