Desinfektionsmittel in der Gesundheitseinrichtung: Auswahl und Anwendung
Die Wahl der Desinfektionsmittel ist entscheidend für die Wirksamkeit der Krankenhausreinigung. Ein falsches Mittel, eine falsche Konzentration oder eine zu kurze Einwirkzeit macht die Desinfektion wirkungslos. FM-Verantwortliche müssen die Grundprinzipien kennen, um verantwortungsvoll einzukaufen und anzuweisen.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland müssen Desinfektionsmittel für Flächen nach der Biozidprodukte-Verordnung (BPR, EU 528/2012) zugelassen sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Umweltbundesamt (UBA) sind zuständige Behörden. Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) und das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichen die anerkannte Desinfektionsmittelliste. In Krankenhäusern ist die VAH-Liste (Verbund für Angewandte Hygiene) maßgeblich. Die KRINKO-Empfehlungen regeln den Einsatz in Risikobereichen.
Schlüsselbegriffe
- VAH-Liste
- Vom Verbund für Angewandte Hygiene anerkannte Desinfektionsmittel für den Gesundheitsbereich. Gilt als Standard für die Mittelauswahl in deutschen Krankenhäusern.
- Wirkspektrum
- Welche Mikroorganismen ein Mittel abtötet: bakterizid, viruzid, fungizid, sporozid. Nicht jedes Mittel wirkt gegen alle relevanten Erreger.
- Einwirkzeit
- Mindestzeit, die das Mittel feucht auf der Fläche verbleiben muss. Steht auf dem Produktetikett; von 30 Sekunden bis 15 Minuten je nach Mittel und Erreger.
- Konzentration
- Verhältnis von Mittel zu Wasser. Zu niedrig: unwirksam; zu hoch: Materialschäden und unnötige Kosten. Automatische Dosiersysteme reduzieren Fehler.
- Organische Belastung
- Blut, Körperflüssigkeiten oder organisches Material, das die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln stark mindert. Erst reinigen, dann desinfizieren – immer.
Schritt-für-Schritt-Vorgehen
Erstellen Sie gemeinsam mit dem Krankenhaushygieniker und dem Mikrobiologen eine hausweite Mittelliste. Beschränken Sie die Anzahl verschiedener Mittel auf ein Minimum: idealerweise ein Standardmittel für die tägliche Desinfektion und ein Mittel für besondere Situationen (sporozid, noroviruswirksam). Prüfen Sie, dass jedes Mittel nach der BPR zugelassen und auf der VAH-Liste geführt ist.
Gestalten Sie den Dosierprozess fehlersicher. Verwenden Sie automatische Dosiersysteme oder vorportionierte Sachets anstelle von manuellem Anmischen. Kennzeichnen Sie Sprühflaschen mit Produktinformation, Konzentration und Einwirkzeit. Hängen Sie Arbeitsanweisungen mit den richtigen Verdünnungsverhältnissen an den Abfüllpunkten aus.
Schulungen Sie Reinigungskräfte in drei Kernpunkten: immer erst reinigen, dann desinfizieren; die Einwirkzeit einhalten (nicht vorzeitig abwischen); Mittel niemals mischen. Der häufigste Fehler ist Sprühen-und-sofort-Abwischen – das Mittel hat keine Zeit zu wirken. Halten Sie die Einhaltung in Auditprotokollen fest und besprechen Sie Abweichungen im monatlichen Reinigungsgespräch.
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