Reinigungsfrequenzen im Krankenhaus: Standards und Normen
Die Reinigungsfrequenz legt fest, wie oft jeder Raumtyp im Krankenhaus gereinigt wird. Zu niedrige Frequenzen erhöhen das Infektionsrisiko; zu hohe verschwenden Kapazitäten. Die richtige Balance zu finden ist eine Kernaufgabe für FM-Verantwortliche in Gesundheitseinrichtungen.
Deutsche Rahmenbedingungen
Die KRINKO-Empfehlungen des Robert Koch-Instituts bilden die verbindliche Grundlage für die Risikoklassifizierung von Räumen und die daraus abzuleitenden Reinigungsanforderungen. Die DGKH und der BIV (Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks) haben gemeinsam Leitfäden zu Reinigungsfrequenzen veröffentlicht, die als Branchenstandard gelten. Die DIN EN 13549 gibt Rahmenvorgaben für Reinigungsdienstleistungen. Für Operationssäle und Isolierzimmer gelten besonders strenge Anforderungen, die im RAL-GZ 902 des Güteverbandes Gebäudereinigung konkretisiert sind.
Schlüsselbegriffe
- Basisfrequenz
- Mindest-Reinigungsfrequenz je Raumtyp, abgeleitet aus der KRINKO-Risikoklasse. Wird bei Ausbrüchen, Baumaßnahmen oder erhöhtem Infektionsgeschehen angehoben.
- Kontaktflächenfrequenz
- Erhöhte Reinigungsfrequenz für häufig berührte Flächen (Türgriffe, Bettrahmen, Nachttische). Auf ITS und im OP mehrmals täglich, auf Normalstation mindestens einmal täglich.
- Flexible Kapazitätsreserve
- Zusätzliche Reinigungskapazität, die bei Ausbrüchen oder saisonalen Spitzen (Norovirus, Influenza) kurzfristig aktiviert werden kann.
- Benchmarking
- Vergleich von Reinigungsfrequenzen und -kosten mit vergleichbaren Einrichtungen. Unterstützt die Begründung von Kapazitätsanfragen gegenüber der Geschäftsführung.
- Frequenzmatrix
- Tabellarische Übersicht mit Reinigungsfrequenzen je Raumtyp und Reinigungsaufgabe. Kernbestandteil des operativen Reinigungsplans.
Anwendung in der Praxis
Erstellen Sie Ihre Frequenzmatrix auf Basis der Risikozonierung. Sehr hohes Risiko (OP, Isolierzimmer): Kontaktflächen mehrmals täglich, Böden mindestens einmal täglich, Volldesinfektion nach jedem Eingriff oder Patientenwechsel. Hohes Risiko (ITS, Dialyse): Kontaktflächen mindestens zweimal täglich, Böden täglich. Mittleres Risiko (Normalstationen): Kontaktflächen und Böden täglich. Niedriges Risiko (Büros, Besprechungsräume): täglich bis mehrmals wöchentlich.
Übersetzen Sie die Frequenzmatrix in Stunden und Vollzeitäquivalente. Nutzen Sie Zeitwerte aus Branchenbenchmarks des BIV oder vergleichbarer Einrichtungen. Planen Sie eine flexible Reserve von 10–15 % für Spitzenzeiten. Regeln Sie vertraglich, wie eine Aufstockung funktioniert – wer entscheidet, in welchem Zeitrahmen der Dienstleister liefert und wer die Mehrkosten trägt.
Evaluieren Sie die Frequenzen jährlich anhand von Auditergebnissen, Störungsmeldungen und Veränderungen in der Einrichtung. Eine neue Abteilung, ein Umbau oder eine aktualisierte KRINKO-Empfehlung kann Anpassungen erfordern. Dokumentieren Sie die Begründung Ihrer Frequenzen, damit Sie bei Anfragen des Gesundheitsamts oder der Geschäftsführung nachweisen können, dass sie risikobasiert sind.
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