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Colocation-Vertrag: FM-Checkliste für Kunden und Betreiber

Ein Colocation-Vertrag regelt die Rechte und Pflichten zwischen dem Rechenzentrumsbetreiber und dem Kunden, der Rack-Fläche mietet. Für FM-Fachleute enthält der Vertrag wesentliche Vereinbarungen über Verfügbarkeit, Wartung, Zutritt und Verantwortlichkeiten. Sowohl auf Betreiber- als auch auf Kundenseite ist es entscheidend, FM-Aspekte klar zu verankern.

Deutsche Rahmenbedingungen

Der deutsche Colocation-Markt wird von Betreibern wie Equinix, Digital Realty, Interxion (Digital Realty), NTT, e-shelter (NTT) und Telehouse bedient. In Deutschland fällt ein Colocation-Vertrag je nach Leistungsumfang unter das Mietrecht (§§ 535 ff. BGB) oder das Werkvertragsrecht (§§ 631 ff. BGB). Der eco-Verband hat Leitlinien für Fair Use im Colocation-Markt herausgegeben. Bei Streitigkeiten wird oft die Schiedsgerichtsbarkeit der DIS (Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit) vereinbart.

Schlüsselbegriffe

SLA (Service Level Agreement)
Vertragliche Vereinbarung über Verfügbarkeit, Reaktionszeiten und Kompensation bei Nicht-Erfüllung. Rechenzentren garantieren typischerweise 99,99 Prozent oder mehr.
Committed Power
Die garantierte Stromkapazität pro Rack oder Käfigfläche. Der Betreiber muss diese Kapazität jederzeit bereitstellen können.
Remote Hands
Dienstleistung, bei der das Rechenzentrum auf Anfrage des Kunden physische Handlungen an Kundengeräten durchführt: Kabel anschließen, Server neu starten, visuelle Inspektion.
Cross-Connect
Physische Kabelverbindung zwischen zwei Kunden innerhalb desselben Rechenzentrums oder zu einem Netzwerkanbieter. Wird vertraglich festgelegt, einschließlich Typ, Anzahl und Tarif.
Demarkationspunkt
Die Grenze, an der die Verantwortung des Betreibers endet und die des Kunden beginnt. Typischerweise beim PDU-Anschluss oder dem Patchpanel im Rack.

Anwendung in der Praxis

Überprüfen Sie als Kunde zunächst die SLA-Definitionen. Was zählt als Ausfallzeit? Viele Verträge schließen geplante Wartungsarbeiten und höhere Gewalt aus. Verifizieren Sie, dass die Verfügbarkeitsgarantie pro Rack oder Stromkreis gilt, nicht als Durchschnittswert über das gesamte Rechenzentrum. Fragen Sie nach historischen Verfügbarkeitsdaten und Vorfallsberichten aus dem vergangenen Jahr.

Prüfen Sie die Vereinbarungen über Wartung und Change Management. Wann führt der Betreiber Wartungsarbeiten an Stromketten und Kühlung durch? Wie weit im Voraus werden Sie informiert? Können Sie Einwände erheben, wenn der Zeitpunkt mit Ihrem Spitzenlastbetrieb zusammenfällt? Ein guter Vertrag spezifiziert Wartungsfenster und Ankündigungsfristen.

Halten Sie die Verantwortungsverteilung explizit fest. Wer ist für die Brandmeldetechnik im Käfig verantwortlich? Wer darf Kabel in den Kabeltrassen verlegen? Was sind die Verfahren bei einem Stromvorfall? Ein klarer Demarkationspunkt und klare Eskalationswege verhindern Diskussionen in dem Moment, in dem es darauf ankommt.

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