Functie

Der Critical Environment Engineer im Facility Management

Der Critical Environment Engineer (CEE) ist der Spezialist, der für das Funktionieren aller Infrastruktursysteme in einem Rechenzentrum verantwortlich ist. Es ist eine der technisch anspruchsvollsten Funktionen im Facility Management mit direktem Einfluss auf die Verfügbarkeit von IT-Diensten.

Deutsche Rahmenbedingungen

In Deutschland ist die Funktion des CEE vor allem bei großen Rechenzentrumsbetreibern (Equinix, Digital Realty, NTT, Interxion, e-shelter) und bei FM-Dienstleistern anzutreffen, die Rechenzentrumsverträge betreuen. GEFMA 520 beschreibt Kompetenzanforderungen für technisches Personal in kritischen Umgebungen. Relevante Ausbildungen sind Elektriker/Elektrotechniker oder Anlagenmechaniker auf Niveau Gesellenbrief oder Meister, ergänzt durch herstellerspezifische Zertifizierungen (Schneider Electric, Vertiv, Rittal). Der VDE und die IHK bieten Weiterbildungen im Bereich kritische Infrastruktur an.

Schlüsselbegriffe

Method of Procedure (MoP)
Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Durchführung von Arbeiten an kritischer Infrastruktur. Enthält Risikobewertung, Go/No-Go-Kriterien und Rückfallszenarien.
Wissensdokumentation
Dokumentation von Systemkenntnissen, sodass diese nicht von einer einzelnen Person abhängen. Kritisch in 24/7-Betrieben mit mehreren Schichtingenieuren.
Schichtbetrieb
24/7-Besetzung in wechselnden Schichten. Üblich sind drei 8-Stunden-Schichten oder zwei 12-Stunden-Schichten. Der CEE ist stets physisch vor Ort.
Herstellerzertifizierung
Hersteller-spezifische Schulung und Prüfung für die Wartung von USV-Systemen, Kühlanlagen oder Generatoren. Erforderlich für Garantieerhalt und Versicherungsdeckung.
Change Management
Strukturierter Prozess für die Durchführung von Änderungen an der Infrastruktur. Jede Änderung wird auf Risiken bewertet, genehmigt und dokumentiert, bevor sie ausgeführt wird.

Aufgaben und Verantwortlichkeiten

Der CEE führt tägliche Rundgänge an allen kritischen Systemen durch: USV, Generatoren, Kühlanlagen, PDUs und Brandmeldetechnik. Jede Abweichung wird protokolliert und bewertet. Die Präventivwartung folgt einer Jahresplanung mit wöchentlichen, monatlichen, vierteljährlichen und jährlichen Aufgaben.

Bei Störungen ist der CEE der Erst-Responder. Innerhalb von Sekunden nach einem Alarm beurteilt der Ingenieur die Situation und führt Notfallverfahren durch: Umschalten auf redundante Systeme, Isolieren der Störung und Kommunikation mit dem Operations Manager. Darüber hinaus führt der CEE geplante Arbeiten nach MoPs durch – von Filterwechseln bis zu vollständigen USV-Wartungen.

Der CEE arbeitet eng mit dem IT-Betrieb zusammen (für Change Management und Kapazitätsplanung), mit Lieferanten (für Spezialwartung und Garantiefragen) und mit dem FM-Management (für Budgetierung und Langzeitplanung). Es ist eine Funktion, die technische Tiefe mit operativer Disziplin und kommunikativen Fähigkeiten verbindet.

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