Tier-Klassifikationen des Uptime Institute
Das Uptime Institute definiert vier Tier-Stufen, die Verfügbarkeit und Redundanz von Rechenzentren klassifizieren. Diese Klassifikation ist weltweit der Standard zur Bewertung von Rechenzentrumsinfrastruktur. Für FM-Fachleute bestimmt die Tier-Stufe direkt, welche Wartungsstrategie, Personalbesetzung und Notfallverfahren erforderlich sind.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland betreiben die meisten kommerziellen Colocation-Rechenzentren auf Tier III oder höher. Die DIN EN 50600-Normreihe definiert parallel zum Uptime Institute eigene Verfügbarkeitsklassen (AV1–AV4) für Rechenzentrumsfazilitäten. Die Zertifizierung nach DIN EN 50600 wird zunehmend von Behörden und Großunternehmen in Ausschreibungen gefordert. Der eco-Verband und Bitkom verwenden Tier-Klassifikationen als Referenzrahmen in Branchenberichten.
Schlüsselbegriffe
- Tier I
- Basisniveau ohne Redundanz. Ein Strompfad und ein Kühlpfad. Wartung erfordert vollständigen Stillstand. Verfügbarkeit: 99,671 %.
- Tier II
- Redundante Komponenten (N+1) für Strom und Kühlung, aber noch ein einziger Verteilungsweg. Komponentenwartung ohne Stillstand möglich.
- Tier III
- Concurrently Maintainable: Jedes Bauteil kann gewartet werden, während das Rechenzentrum in Betrieb bleibt. Mehrere Verteilungswege, davon einer aktiv. Verfügbarkeit: 99,982 %.
- Tier IV
- Fehlertolerant: Das Rechenzentrum bleibt bei jedem einzelnen Fehler in Betrieb. Mehrere aktive Verteilungswege. Verfügbarkeit: 99,995 %.
- Concurrently Maintainable
- Die Eigenschaft, dass jede Infrastrukturkomponente gewartet werden kann, ohne das Rechenzentrum abzuschalten. Kernanforderung ab Tier III.
Anwendung in der Praxis
Die Tier-Klassifikation bestimmt das Design, aber auch den laufenden Betrieb eines Rechenzentrums. Bei Tier III muss jede Wartungsarbeit ohne Beeinträchtigung der Verfügbarkeit durchgeführt werden können. Dies erfordert detaillierte Method of Procedures (MoPs) für jeden Eingriff, von Filterwechseln bis zur USV-Wartung.
Für FM-Teams bedeutet eine höhere Tier-Stufe mehr Komplexität bei Wartung und Change-Management. Bei Tier IV gibt es mehrere aktive Strompfade, sodass jede Änderung an der elektrischen Infrastruktur sorgfältig koordiniert werden muss. Gleichzeitig bietet dies mehr Flexibilität: Wartungsarbeiten müssen nicht in Wartungsfenstern außerhalb der Geschäftszeiten geplant werden.
Bei der Gestaltung von Wartungsverträgen und SLAs übersetzt sich die Tier-Stufe direkt in konkrete Anforderungen. Reaktionszeiten, Verfügbarkeit von Ersatzteilen vor Ort und die Qualifikationsanforderungen für Techniker hängen von der Klassifikationsstufe ab. FM-Fachleute verwenden die Tier-Klassifikation als gemeinsame Sprache mit dem IT-Betrieb, Auftragnehmern und Lieferanten.
Verwandte Themen
Verfolgen Sie die neuesten Nachrichten zu diesem Thema über Datacenterbeheer auf FM Radar →