USV-Systeme im Rechenzentrum: Typen und Betrieb
Eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) überbrückt die Zeit zwischen einem Netzausfall und dem Start der Notstromaggregate. Im Rechenzentrum ist die USV die kritischste Komponente in der Stromkette. FM-Fachleute müssen Funktion, Wartung und Grenzen von USV-Systemen gründlich kennen.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland ist die Netzzuverlässigkeit hoch (durchschnittliche Ausfallzeit unter 15 Minuten pro Jahr gemäß Bundesnetzagentur), aber für Rechenzentren zählt jede Sekunde. DIN EN 62040-1 und DIN EN 62040-3 beschreiben Anforderungen an USV-Systeme. VdS 2523 regelt die Prüfanforderungen für USV-Anlagen in sicherheitskritischen Anwendungen. Die GEFMA 520 empfiehlt Wartungsintervalle und Dokumentationspflichten für USV-Systeme in Rechenzentren.
Schlüsselbegriffe
- Online-Doppelwandler-USV
- Die am häufigsten eingesetzte USV-Technologie in Rechenzentren. Wandelt Wechselstrom in Gleichstrom (Batterieladung) und zurück in Wechselstrom. Die Last läuft immer über die USV, nie direkt über das Netz.
- Autonomiezeit
- Dauer, für die die USV-Batterien die volle Last versorgen können. Typischerweise 5 bis 15 Minuten – ausreichend für den Start der Notstromaggregate.
- Eco-Modus
- Betriebsmodus, bei dem die USV das Netz direkt durchleitet und nur bei Störung umschaltet. Spart 2 bis 4 Prozent Energie, führt aber zu einem kurzen Umschaltmoment.
- VRLA-Batterie
- Valve Regulated Lead-Acid. Gängige Batterietechnologie in USV-Systemen. Lebensdauer 5 bis 10 Jahre, temperaturempfindlich. Erfordert regelmäßige Kapazitätstests.
- Lithium-Ionen-USV
- Neuere Batterietechnologie mit längerer Lebensdauer, kleinerem Formfaktor und geringerer Temperaturempfindlichkeit. Höherer Anschaffungspreis, aber niedrigere Gesamtbetriebskosten über 10 Jahre.
Anwendung in der Praxis
Das USV-Management beginnt bei der richtigen Dimensionierung. Die USV-Kapazität muss die aktuelle IT-Last zuzüglich Overhead tragen können, mit ausreichend Reserve für Wachstum. Unterdimensionierung führt zu Überlastung und Ausfallrisiko; Überdimensionierung senkt den Wirkungsgrad, da die USV weit unter dem optimalen Lastbereich betrieben wird.
Die Präventivwartung folgt einem festen Zeitplan. Batterien werden halbjährlich visuell inspiziert und jährlich einem Kapazitätstest unterzogen (Impedanzmessung oder Entladetest). Die vollständige USV wird jährlich getestet, einschließlich Umschaltung von und zur Generatorspeisung. Dokumentieren Sie alle Messwerte und vergleichen Sie sie mit früheren Perioden, um Degradation frühzeitig zu erkennen.
Bei der Wartung von Batterien oder USV-Modulen in einer Tier-III-Umgebung arbeiten Sie stets über den redundanten Pfad. Schalten Sie die zu wartende USV über den statischen Bypass und verifizieren Sie, dass die Paralleleinheit die volle Last übernimmt, bevor Sie mit den Arbeiten beginnen. Legen Sie das Verfahren in einer Method of Procedure fest und lassen Sie diese vom Rechenzentrumsleiter vor Beginn gegenzeichnen.
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