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Inklusives Vergabewesen: Praxisleitfaden für FM

Inklusives Vergabewesen geht weit über eine einfache Social-Return-Klausel hinaus. Es integriert sozialen Mehrwert in jede Phase des Vergabeprozesses: von der Bedarfsermittlung und dem Leistungsverzeichnis bis hin zu Zuschlagskriterien und Vertragsmanagement. Damit wird Social Value kein Nebenthema, sondern ein integraler Bestandteil der Lieferantenauswahl.

Deutsche Rahmenbedingungen

Das Vergaberecht des Bundes und der Länder bietet konkrete Instrumente zur Verankerung sozialer Kriterien: § 97 Abs. 4 GWB verpflichtet öffentliche Auftraggeber, soziale und ökologische Aspekte in die Vergabe einzubeziehen. Der Leitfaden 'Nachhaltiges Beschaffen' des Kompetenzzentrums Nachhaltige Beschaffung (KNB) enthält praktische Empfehlungen für FM-Kategorien. In mehreren Bundesländern schreiben Tariftreue- und Vergabegesetze soziale Mindeststandards vor. Die Bundesinitiative Inklusion und das Kompetenzzentrum für soziale Innovationen bieten Unterstützung bei der Formulierung inklusiver Vergabekriterien.

Schlüsselbegriffe

Inklusives Vergabewesen
Vergabemethode, die Social-Value-Kriterien strukturell in alle Phasen des Beschaffungsprozesses integriert.
Soziale Zuschlagskriterien
Kriterien in der Wertung, die Bietern Punkte für sozialen Mehrwert gewähren – etwa für die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen oder das Angebot von Qualifizierungsmaßnahmen.
Social-Value-Plan
Bestandteil des Angebots, in dem der Bieter beschreibt, wie er sozialen Mehrwert während der Vertragslaufzeit realisieren wird.
Vorbehaltener Auftrag
Vergaberechtliche Möglichkeit nach § 118 GWB, einen Auftrag exklusiv für Werkstätten für behinderte Menschen oder Integrationsbetriebe vorzubehalten.
Social-Value-Monitoring
Fortlaufende Überprüfung und Evaluierung, ob der Auftragnehmer die zugesagten sozialen Leistungen tatsächlich erbringt.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Verankern Sie sozialen Mehrwert in drei Phasen der Ausschreibung. In der Spezifikationsphase beschreiben Sie die Social-Value-Ambition im Leistungsverzeichnis. Formulieren Sie dies als Output: 'Der Auftragnehmer trägt zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Vermittlungshemmnissen bei' – statt eines starren Prozentsatzes.

In der Eignungs- und Wertungsphase gewichten Sie sozialen Mehrwert als Zuschlagskriterium. Fordern Sie von Bietern einen Social-Value-Plan: Wie werden sie die Zielgruppe einsetzen, welche Begleitung bieten sie, wie messen sie die Ergebnisse? Weisen Sie diesem Kriterium 10 bis 20 Prozent der Gesamtpunktzahl zu und bewerten Sie die Konzepte nach Konkretheit, Realisierbarkeit und Ambition.

In der Vertragsmanagementphase überwachen Sie die Umsetzung. Nehmen Sie Social-Value-KPIs in die regulären Leistungsgespräche auf und fordern Sie Quartalsberichte über realisierte Vermittlungen und den Fortschritt individueller Maßnahmen. Feiern Sie Erfolge: Wenn ein Mitarbeiter in eine reguläre Festanstellung wechselt, ist das eine Leistung sowohl des Auftragnehmers als auch des Auftraggebers. So wird Social Value von einer Papierpflicht zu einem lebendigen Bestandteil der Partnerschaft.

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