Concept

Social Value im Facility Management: Konzept, Ebenen und strategische Relevanz

Social Value bezeichnet den messbaren gesellschaftlichen Mehrwert, den Facility-Management-Aktivitäten über die reine Dienstleistungserbringung hinaus erzeugen. Durch gezielte Beschäftigung, Vergabegestaltung und lokale Verankerung kann FM eine strategische Brücke zwischen Organisation und Gesellschaft bilden.

Deutsche Rahmenbedingungen

In Deutschland ist Social Value im FM durch das Sozialgesetzbuch (SGB II, III), das Vergaberecht (§ 97 GWB für soziale Beschaffung), das Teilhaberecht (BTHG) und den Nationalen Aktionsplan Nachhaltige Beschaffung (NAP) gerahmt. GEFMA und IFMA Deutschland diskutieren Social Value zunehmend als FM-Kernthema. Die Deutsche Gesellschaft für Soziales Unternehmertum und Social-Enterprise-Netzwerke bieten Ressourcen für FM-Organisationen. ESG-Berichtspflichten (CSRD, ESRS S1) machen die Dokumentation sozialer Aktivitäten für große Unternehmen verpflichtend.

Schlüsselbegriffe

Social Value
Messbarer gesellschaftlicher Mehrwert, der durch FM-Aktivitäten wie Beschäftigung vulnerabler Gruppen, soziale Vergabe und lokale Wirtschaftsförderung entsteht.
Soziale Vergabe
Einbeziehung sozialer Kriterien (z.B. Mindestanteil von Langzeitarbeitslosen im Vertrag) als Zuschlagskriterien bei der Beschaffung von FM-Dienstleistungen.
Inklusiver Arbeitgeber
Organisation, die systematisch Menschen mit Behinderungen, Langzeitarbeitslosen oder anderen benachteiligten Gruppen Beschäftigung ermöglicht.
ESG (Environmental, Social, Governance)
Rahmenwerk für nachhaltige Unternehmensführung, in dem soziale FM-Aktivitäten unter dem S-Faktor (Social) berichtet und bewertet werden.
Sozialunternehmen
Unternehmen, dessen primäres Ziel gesellschaftlicher Mehrwert ist und das soziale Dienstleistungen oder Beschäftigung für benachteiligte Gruppen anbietet.

So funktioniert es in der Praxis

Social Value im FM wirkt auf drei Ebenen. Auf der ersten Ebene bietet FM direkte Beschäftigung für Menschen, die andernorts schwerer Fuß fassen können. Reinigung, Grünpflege, Catering und Empfangsdienste sind zugängliche Tätigkeitsfelder ohne hohe Eingangsqualifikation. Durch gezieltes Recruiting aus vulnerablen Gruppen – Geflüchtete, Menschen mit Behinderungen, Langzeitarbeitslose – entsteht unmittelbarer gesellschaftlicher Mehrwert.

Auf der zweiten Ebene steuern Sie über Vergabe. Durch Social-Return-Anforderungen in FM-Verträgen verpflichten Sie Lieferanten, einen Teil ihrer Leistungen durch Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen zum Arbeitsmarkt erbringen zu lassen. Das vergrößert den Wirkungskreis über die eigene Organisation hinaus.

Auf der dritten Ebene trägt FM zum breiteren sozialen Umfeld bei. Durch die Einbindung lokaler Lieferanten stärken Sie die Regionalwirtschaft. Durch Diversität am Arbeitsplatz fördern Sie Inklusion. Durch Entwicklungsprogramme helfen Sie Menschen, beruflich zu wachsen. Social Value ist keine Philanthropie, sondern eine strategische Entscheidung, die die Organisation in der Gesellschaft verankert.

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