Legionellen-Risikoanalyse durchführen: Methodik und Ablauf
Eine Legionellen-Risikoanalyse ist Voraussetzung für einen wirksamen Beherrschungsplan. Sie deckt Schwachstellen in der Trinkwasserinstallation auf und bildet die Grundlage für alle technischen Maßnahmen. Nur ein qualifizierter, unabhängiger Sachverständiger kann eine rechtlich belastbare Analyse erstellen.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland ist die Legionellen-Risikoanalyse nach DVGW W 551 und VDI/DVGW 6023 technischer Standard. Für Großanlagen nach TrinkwV sind akkreditierte Untersuchungsstellen vorgeschrieben. Die ZVSHK (Zentralverband Sanitär Heizung Klima) schult Fachbetriebe in der Installation und Inspektion von Trinkwasseranlagen. Bei Auffälligkeiten ist das zuständige Gesundheitsamt zu informieren. Sonderregelungen gelten für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Schulen nach den Empfehlungen des RKI.
Schlüsselbegriffe
- Anlagenbegehung
- Vor-Ort-Inspektion der gesamten Trinkwasserinstallation durch einen Sachverständigen zur Erfassung aller Entnahmestellen, Leitungsverläufe und Risikopunkte.
- Temperaturmessung
- Messung von Warm- und Kaltwassertemperaturen an definierten Referenzpunkten als zentrales Instrument der Legionellen-Risikobewertung.
- Totleitung
- Abgesperrter oder nicht mehr genutzter Leitungsabschnitt, in dem Wasser stagniert und optimale Bedingungen für Legionellenwachstum entstehen.
- Risikoregister
- Tabellarische Dokumentation aller identifizierten Risikopunkte mit Risikoklassifizierung und empfohlenen Beherrschungsmaßnahmen.
- Sachverständiger Trinkwasser
- Qualifizierter Fachmann, der Legionellen-Risikoanalysen nach DVGW W 551 durchführen und rechtlich belastbare Berichte erstellen kann.
Schritt für Schritt: Die richtige Vorgehensweise
Die Risikoanalyse beginnt mit der Zusammenstellung der Dokumentation: Baupläne, Installationszeichnungen, frühere Wartungsberichte und vorliegende Probenergebnisse. Fehlen aktuelle Pläne oder sind diese veraltet, muss die Anlage zunächst aufgenommen werden. Das kostet zusätzliche Zeit, ist aber unverzichtbar für eine belastbare Analyse.
Anschließend begeht der Sachverständige die gesamte Anlage vor Ort. Alle Entnahmestellen werden mit Standort, Typ und Nutzungsfrequenz erfasst. Die Temperaturen werden an kritischen Punkten gemessen: an der Warmwasserbereitung, an den entferntesten Entnahmestellen und an Mischpunkten. Der Leitungsverlauf wird auf Totleitungen und ungenutzte Abzweigungen geprüft.
Der Sachverständige bewertet je Risikopunkt das Legionellenwachstumsrisiko anhand von vier Faktoren: Temperatur, Stagnation, Vernebelung und Vulnerabilität der Nutzer. Jeder Risikopunkt erhält eine Klassifizierung und eine empfohlene Beherrschungsmaßnahme. Der Bericht enthält eine aktualisierte Installationszeichnung, ein Risikoregister und Empfehlungen für den Beherrschungsplan. Besprechen Sie den Bericht mit dem Sachverständigen und übersetzen Sie die Empfehlungen in konkrete Maßnahmen Ihres Beherrschungsplans.
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