Schlüsselverwaltung vs. Ausweissystem
Viele Gebäude arbeiten noch teilweise mit physischen Schlüsseln neben oder anstelle von elektronischen Zugangsausweisen. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile hinsichtlich Sicherheit, Kosten und Verwaltungsaufwand. Die Entscheidung hat langfristige Konsequenzen für die Facility-Management-Organisation.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland ist der Großteil der Bürogebäude auf elektronische Zugangskontrolle umgestellt, während im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich sowie bei kleineren Organisationen noch häufig mit Schlüsseln gearbeitet wird. DIN 18252 regelt technische Anforderungen an Profilzylinder. DIN EN 1627 klassifiziert Widerstandsklassen von Türen gegen Einbruch. Anbieter wie SimonsVoss, Winkhaus, Allegion (Schlage), Dormakaba und ASSA ABLOY dominieren den deutschen Markt für elektronische Zutrittssysteme.
Schlüsselbegriffe
- Schließplan
- Übersicht aller Schlüssel, Zylinder und Schließberechtigungen in einem Gebäude. Bei mechanischen Systemen das Äquivalent zur Berechtigungsmatrix.
- Hauptschließanlage
- Hierarchisches Schließsystem, bei dem ein Generalschlüssel alle Türen öffnet, Gruppeneberschlüssel eine Etage und Einzelschlüssel nur die eigenen Türen.
- RFID-Ausweis
- Kontaktloser Ausweis, der per Funkfrequenz mit dem Leser an der Tür kommuniziert. MIFARE DESFire ist der aktuelle Standard für sichere Zutrittssysteme.
- Online vs. Offline-Leser
- Online-Leser kommunizieren in Echtzeit mit dem Server. Offline-Leser speichern Berechtigungen auf dem Ausweis und werden periodisch aktualisiert.
- Zylinderaustauschkosten
- Bei Verlust eines Generalschlüssels müssen unter Umständen alle Zylinder der Anlage ausgetauscht werden – eine Ausgabe von mehreren tausend Euro.
Anwendung in der Praxis
Der entscheidende Unterschied liegt in der Verwaltbarkeit. Bei einem Schlüsselsystem ist der Entzug von Zugang ein physischer Vorgang: Der Schlüssel muss zurückgefordert werden. Verliert ein Mitarbeitender den Schlüssel oder gibt ihn bei Austritt nicht zurück, ist die Sicherheit kompromittiert. Bei einem Ausweissystem ist der Entzug von Rechten ein Klick im Verwaltungssystem – der Ausweis funktioniert unmittelbar nicht mehr.
Kosten sind differenzierter als oft angenommen. Ein elektronisches System erfordert höhere Anfangsinvestitionen (Leser, Server, Verkabelung), hat aber geringere Betriebskosten, da Zylinderaustausche entfallen und Berechtigungsänderungen ohne physischen Eingriff möglich sind. Für Gebäude mit mehr als 50 Türen ist ein elektronisches System in der Regel innerhalb von fünf Jahren kostengünstiger im Gesamtbesitz.
Die Praxis zeigt, dass ein Hybridmodell häufig die Realität ist: elektronischer Zugang an Haupteingängen und Etagen türen, mechanische Schlösser an individuellen Büros oder Lagerräumen. Das ist praktikabel, solange die Schlüsselverwaltung administrativ geordnet ist. Erfassen Sie jede Schlüsselausgabe, führen Sie mindestens jährlich eine Inventur durch und stellen Sie sicher, dass der Schließplan bei Umbauten und Reorganisationen aktuell bleibt.
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