Tailgating-Prävention: Maßnahmen im FM
Tailgating – das unbefugte Mitbetreten durch eine Tür unmittelbar hinter einer autorisierten Person – gehört zu den häufigsten Sicherheitsrisiken in Gebäuden. Es unterminiert die gesamte Zugangskontrollinvestition: Ein System mit den besten Lesern und Ausweisen ist wertlos, wenn jeder ohne Identifikation hindurchlaufen kann.
Deutsche Rahmenbedingungen
In Deutschland gibt die VdS-Richtlinie 2000 Anforderungen an Einbruchprävention und empfiehlt technische sowie organisatorische Maßnahmen zur Tailgating-Prävention. Das BSI IT-Grundschutz-Kompendium (Baustein INF.1 Allgemeines Gebäude) benennt Schleusen und Kontrollmaßnahmen als erforderliche physische Schutzmaßnahmen. Das BewachG und die Bewachungsverordnung stellen Anforderungen an Sicherheitspersonal, das Zutrittskontrolle überwacht. Bei Behörden und im Finanzsektor (BaFin-Anforderungen) gelten spezifische Auflagen zur physischen Zutrittssicherung nach BAIT (Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT) bzw. den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk).
Schlüsselbegriffe
- Tailgating
- Unbefugtes Betreten eines gesicherten Bereichs, indem man direkt hinter einer autorisierten Person durch die Tür folgt, bevor diese schließt.
- Piggybacking
- Variante, bei der die autorisierte Person die Tür bewusst für eine andere aufhält. Sozial motiviert, aber ebenso riskant wie Tailgating.
- Personenschleuse (Mantrap)
- Abgeschlossener Bereich mit zwei Türen, die nicht gleichzeitig geöffnet sein können. Nur eine Person kann pro Durchgang passieren. Wirksamste Maßnahme gegen Tailgating.
- Optischer Drehkreis
- Gläsernes Drehsperrelement mit Sensoren, das erkennt, ob mehr als eine Person pro Ausweisp räsentation passiert, und Alarm auslöst.
- Sicherheitsbewusstsein
- Das Ausmaß, in dem Mitarbeitende für Sicherheitsrisiken sensibilisiert sind und bereit, unbekannte Personen anzusprechen oder zu melden.
Schritt-für-Schritt-Vorgehen
Beginnen Sie mit der Messung des Problems. Lassen Sie den Sicherheitsdienst in Stoßzeiten beobachten, wie viele Personen einen Zugangspunkt ohne Ausweis präsentation passieren. Das liefert häufig erschreckende Zahlen, die das Management von Handlungsbedarf überzeugen.
Technische Maßnahmen bilden die erste Verteidigungslinie. Optische Drehkreise am Haupteingang sind die verbreitetste Lösung: Sie lassen pro Ausweis präsentation eine Person durch und lösen bei einem Tailgating-Versuch ein audiovisuelles Signal aus. Für hochgesicherte Bereiche ist eine Personenschleuse der Goldstandard: Zwei Türen, die nicht gleichzeitig öffnen, mit einem Sensor, der verifiziert, dass sich nur eine Person in der Schleuse befindet.
Technik allein löst das Problem nicht. Führen Sie Sensibilisierungskampagnen durch, in denen Mitarbeitende lernen, die Tür nicht für Unbekannte aufzuhalten und unbefugte Personen freundlich zum Empfang zu verweisen. Machen Sie es niedrigschwellig: 'Entschuldigung, so ist das hier die Regel – der Empfang hilft Ihnen weiter' reicht aus. Unterstützen Sie das mit sichtbarer Kommunikation an den Zugangspunkten und nehmen Sie das Thema in das Einführungsprogramm für neue Mitarbeitende auf.
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